Ein kanadisches Forscherteam unternahm mit einer Gruppe von 33 älteren Menschen zwischen 55 und 75 Jahren ein Experiment, welches Aufschluss über die Verhinderung beziehungsweise Verzögerung von Demenz Erkrankungen im Alter geben sollte (Link zu PLOS/ english).

Sie bildeten 3 Teams:

  • 11 Personen ließen sie ein Computerspiel erlernen (Super Mario 64)

  • 11 Personen lernten Klavier spielen und weitere

  • 11 Personen erlernten nichts Neues

Der Test wurde über sechs Monate durchgeführt. Vor und nach dem Test wurde mittels Computertomographie (CT) die graue Masse des Gehirns (substantia grisea/ Link zu Wikipedia) gemessen - Sie wissen schon: Hercule Poirot: "Meine kleinen grauen Zellen..."

Es stellte sich heraus, daß bei jenen Menschen, die Neues lernten und es regelmäßig täglich anwendeten, fünf Wochentage, je eine halbe Stunde, eine deutliche Zunahme der grauen Substanz zu beobachten war, wohingegen die graue Substanz der „ruhenden“ Probanden weiter abnahm.

Das Kurzzeitgedächtnis ist zuständig für die Übertragung des Erlebten ins Langzeitgedächtnis und bildet mit diesem zusammen unsere Erinnerung/ Erinnerungsfähigkeit. Gerade im Alter, wenn die Bewegung durch Schmerzen und andere Gebrechen eingeschränkt ist, werden aber wenig neue Eindrücke gesammelt, der Mensch „verkalkt“ wie man das früher profan ausdrückte. Gerade die räumliche Orientierung leidet als erstes darunter, der Mensch neigt dazu, sich nicht mehr zurecht zu finden, der Gang wird unsicher, die Verletzungsgefahr durch Stolpern wächst.

Angeregt wurde die Studie durch Erfahrungen, die man mit Londoner Taxifahrern machte. Diese müssen, um eine Lizenz zu bekommen, weltweit eine der schwersten Prüfungen in Stadtkunde ablegen. Um diese Prüfung zu bestehen, legen sie sich im Gehirn virtuelle Karten an. Dieses Phänomen der Kartierung wollten die Forscher genauer ergründen und bauten darauf ihre Theorie auf.

Aus der Studie ergibt sich nun, daß bei den Super Mario- Spielern die räumliche Orentierung verbessert wurde, bei den Klavierspielern zusätzlich die Entscheidungsfähigkeit und das Planen. Im Hippocampus/ Link zu Wikipedia verbessert sich also die Gedächnisleistung bei beiden Gruppen deutlich, ebenso wie die Koordination von Bewegung und Gleichgewicht. Es gibt Anhaltspunkte dafür, daß sich durch das Erlernen neuer Dinge im Alter die Hirnleistung insgesamt auch dann regeneriert, wenn vorher schon graue Substanz abgebaut wurde.

Es ist also wichtig, sich auch im Alter neuen Reizen auszusetzen, um das Gehirn zu trainieren und es auf diese Weise fit zu halten. Da oft die eingeschränkte Beweglichkeit einen Hinderungsgrund abgibt, diese neuen Eindrücke zu sammeln, können also Computerspiele ohne weiteres eine sinnvolle Methode darstellen, um der Altersdemenz vorzubeugen.

Natürlich ist die Versuchsgruppe noch zu klein, um einen tatsächlichen Beweis für die These vorzulegen, jedoch erscheint das Experiment als vielversprechender Ansatz um die Altersdemenz anzugreifen – und: schaden kann es nicht, sich auch im Alter neuen Erfahrungen und Herausforderungen auszusetzen.